Einblicke in die Executive-Search-Beratung

Lesedauer: 7 Minuten | Kategorie: Berufliche Neuorientierung | Thema: Executive-Search-Beratung

Perspektive einer Executive-Search-Beraterin

Für Führungskräfte im Topmanagement können Executive-Search-Beratungen ein wichtiger Zugang zu neuen beruflichen Perspektiven sein. Gleichzeitig funktioniert dieser Markt anders als ein klassischer Bewerbungsprozess: Executive-Search-Berater arbeiten im Auftrag ihrer Unternehmenskunden und suchen gezielt nach Persönlichkeiten, die zu einem konkreten Mandat passen. 

The Boardroom begleitet Top-Führungskräfte bei ihrer beruflichen Neuorientierung und arbeitet dabei seit vielen Jahren mit Personalberatern zusammen. In diesem Netzwerk entstehen über Jahre gewachsene und vertrauensvolle Beziehungen. Und auch ein regelmäßiger Austausch darüber, welche Profile, Erfahrungen und Führungspersönlichkeiten für bestimmte Markt- und Unternehmenssituationen relevant sein können.

Doch was macht ein Executive-Profil für einen Personalberater tatsächlich interessant? Welche Informationen sind entscheidend? Und welche Rolle spielen persönliche Empfehlungen, Vertrauen und der richtige Zeitpunkt?


Darüber sprechen wir mit Katja de Jong, Director / ppa. der BOARD CONNECT GmbH. 

Im Interview gibt sie Einblicke in die Praxis des Executive Search und erklärt, worauf Personalberater bei Führungskräften achten. Sie zeigt auch auf,  wie sie Profile einordnet und was eine gute Ansprache von einer wahllosen Kontaktaufnahme unterscheidet.


Realität im Executive-Search-Markt

Sie erhalten regelmäßig eine große Zahl von Profilen erfahrener Führungskräfte. Über welche Größenordnung sprechen wir typischerweise und wie viele dieser Profile können Sie im Rahmen Ihrer Arbeit tatsächlich näher prüfen?

De Jong: Die Zahl ist tatsächlich groß. Uns erreichen kontinuierlich Profile über ganz unterschiedliche Wege: direkte Kontaktaufnahmen, Empfehlungen aus unserem Netzwerk, persönliche Begegnungen, LinkedIn und natürlich Kandidatinnen und Kandidaten aus früheren Mandaten.

Entscheidend ist aber weniger die absolute Zahl als die Realität dahinter: Executive Search funktioniert nicht wie eine Bewerberdatenbank, in der wir ein eingehendes Profil nehmen und anschließend nach einer passenden Position suchen. Wir arbeiten genau andersherum. Ausgangspunkt ist immer ein konkretes Mandat und die Frage: Welche Persönlichkeit passt fachlich, kulturell und von ihrer Leadership-Erfahrung genau in diese Situation?

Deshalb können wir nicht jedes interessante Profil sofort intensiv kennenlernen. Das bedeutet aber keineswegs, dass es uninteressant ist. Manchmal fehlt schlicht das passende Mandat zum passenden Zeitpunkt. Executive Search ist in dieser Hinsicht auch ein Timing-Geschäft.

Auswahlkriterien einer Executive-Search-Beraterin

Wenn Sie ein Profil vor sich haben: Was macht den Unterschied zwischen einem interessanten Lebenslauf und einem Profil, das Sie für ein konkretes oder absehbares Mandat im Blick behalten?

De Jong: Ein guter Lebenslauf zeigt mir, was jemand gemacht hat. Ein wirklich interessantes Executive-Profil lässt mich darüber hinaus schnell verstehen, wofür diese Person als Führungspersönlichkeit steht und in welcher Situation sie einen Unterschied machen kann.

Auf Executive-Level interessieren mich deshalb weniger lange Aufzählungen von Verantwortlichkeiten. Relevant sind Größenordnung und Komplexität der Aufgaben, Führungsspanne, internationale Verantwortung, Transformationserfahrung, Governance-Themen und vor allem konkrete Ergebnisse. Und ich möchte einen roten Faden erkennen können:

  • Warum wurden bestimmte Entscheidungen getroffen?
  • Welche Entwicklung ist sichtbar?
  • Welche Art von Herausforderungen hat diese Führungskraft mehrfach erfolgreich gelöst?

Gerade bei internationalen Mandaten reicht nicht nur ein Lebenslauf mit internationaler Führungserfahrung. Mich interessiert, ob jemand tatsächlich über Ländergrenzen und unterschiedliche Kulturen hinweg führen kann.

Die richtige Ansprache von Personalberatern

Welche Vorgehensweisen erleben Sie in der Praxis häufig: Was wirkt aus Ihrer Sicht schnell wahllos und was macht eine Ansprache sinnvoll?

De Jong: Wahllos wirkt es vor allem dann, wenn ich erkenne, dass dieselbe Nachricht wahrscheinlich an zwanzig oder fünfzig Personalberater geschickt wurde. „Ich bin offen für eine neue Herausforderung, haben Sie etwas für mich?“ ist verständlich, gibt mir aber wenig Orientierung.

Eine gute Ansprache muss dagegen überhaupt nicht lang sein. Im Gegenteil. Ich finde es hilfreich, wenn jemand sehr klar formulieren kann: Das ist mein Hintergrund, das sind die Situationen, in denen ich besonders viel Erfahrung habe. Und das ist ungefähr der Kontext, in dem ich meinen nächsten Schritt sehe.

Dann sollte es noch einen Grund geben, warum gerade wir miteinander sprechen sollten. Vielleicht gibt es eine gemeinsame Branche, einen regionalen Bezug, ein bestimmtes funktionales Thema oder eine Empfehlung.

Netzwerk & Empfehlungen

Wie wichtig ist es für Sie, dass Ihnen eine Führungskraft von einer Person empfohlen wird, deren Einschätzung Sie kennen und der Sie vertrauen? Und was verändert eine solche Empfehlung gegenüber einer unaufgeforderten Kontaktaufnahme?

De Jong: Eine persönliche Empfehlung hat selbstverständlich Gewicht. Das bedeutet aber nicht, dass eine Empfehlung automatisch zu einem Mandat oder zu einem Kandidatengespräch führt. Unsere Aufgabe gegenüber dem Klienten bleibt immer dieselbe: Wir müssen unabhängig prüfen, wer für eine konkrete Position am besten zum definierten Anforderungsprofil passt.

Eine Empfehlung verändert jedoch den Einstieg, denn ich bekomme zusätzlichen Kontext. Wenn jemand, dem ich vertraue, sagt: „Mit dieser Person solltest du einmal sprechen, weil sie genau in diesem Bereich etwas Besonderes mitbringt“, dann höre ich natürlich genauer hin.

Ein gutes Beispiel ist meine Zusammenarbeit mit Lena Scheffel. Wir kennen uns noch aus meiner Zeit bei Kienbaum und haben bereits vor vielen Jahren zusammengearbeitet. Lena ist später vom Executive Search in die New Placement- und Karriereberatung gewechselt. Wenn sie mir heute eine Führungskraft empfiehlt, schaue ich mir das Profil sehr genau an. Dann weiß ich, sie hat sich Gedanken darüber gemacht, warum diese Person für mich beziehungsweise für eines unserer Mandate relevant sein könnte. Diese fundierte Einordnung macht für mich genau den Unterschied.

Auf Executive-Level geht es viel stärker um Qualität, Kontext und langfristige Beziehungen. Das ist letztlich der Wert eines guten Netzwerks: Vertrauen reduziert Komplexität. Aber Networking ist dabei kein Zahlenspiel. Vertrauen entsteht nicht durch möglichst viele Kontakte, sondern über Jahre durch gemeinsame Erfahrungen und verlässliche Einschätzungen.

Schnittstellen zwischen Executive-Search-Beratung und Karriereberatung

Sie arbeiten im Auftrag eines Unternehmens, während eine Karriereberatung die Führungskraft begleitet. Was kann eine gute Zusammenarbeit aus Ihrer Sicht für beide Seiten leisten und was macht eine Vorstellung durch eine Karriereberatung für Sie wertvoll?

De Jong: Die Rollen müssen zunächst klar getrennt sein. Wir als Executive-Search-Beratung arbeiten im Auftrag unseres Klienten. Unsere Aufgabe ist es, für eine konkrete unternehmerische Situation die bestmöglichen Persönlichkeiten zu identifizieren und zu beurteilen. Eine Karriereberatung arbeitet aus der Perspektive der Führungskraft. Das kann sich sehr gut ergänzen, wenn beide Seiten ihre Rolle respektieren. Eine gute Karriereberatung hilft einer Führungskraft beispielsweise dabei, das eigene Profil zu schärfen und realistisch einzuordnen.

Wenn mir anschließend eine Führungskraft vorgestellt wird und ich neben einem CV auch eine fundierte Einordnung bekomme, hat dies echten Mehrwert. Was jedoch nicht funktioniert, ist reines „CV-Pushing“.

Sichtbarkeit im Executive-Search-Markt

Was können Führungskräfte tun, wenn aktuell kein konkretes Mandat besteht, ohne wahllos Kontakte zu Personalberatern aufzubauen?

De Jong: Zunächst akzeptieren, dass Sichtbarkeit im Executive-Markt langfristig entsteht. Man sollte sein Netzwerk nicht erst dann aktivieren, wenn man morgen eine neue Position braucht. Ich würde Führungskräften empfehlen, sich sehr bewusst zu überlegen, bei welchen Themen sie sichtbar sein möchten und für welche Art von unternehmerischen Situationen sie stehen. Das kann über persönliche Netzwerke geschehen, über fachlichen Austausch, Veranstaltungen, Beirats- oder Branchenkontakte und natürlich auch über LinkedIn.

Bei Executive-Search-Beratern gilt: lieber einige wenige relevante Beziehungen über Jahre pflegen als möglichst viele Kontakte sammeln.

Und Sichtbarkeit bedeutet nicht, permanent zu senden. Gute Netzwerke funktionieren in beide Richtungen. Wer Wissen teilt, Menschen miteinander verbindet oder auch einmal einen interessanten Kandidaten empfiehlt, bleibt häufig sehr viel nachhaltiger in Erinnerung als jemand, der sich nur meldet, wenn er selbst etwas benötigt.

Das ist vielleicht auch etwas niederländisch gedacht: „Doe maar normaal.“ und bedeutet: „Sei einfach normal.“ Bleiben Sie authentisch, relevant und unkompliziert. Beziehungen entwickeln sich dann häufig sehr viel natürlicher.

Aus der Praxis des Executive Search

Wenn Sie einer erfahrenen Führungskraft einen einzigen Rat für den Umgang mit dem Executive-Markt geben könnten: Welcher wäre das?

De Jong: Gerade gestandene Führungskräfte bringen häufig sehr viel Erfahrung mit. Das ist eine große Stärke, kann aber gleichzeitig dazu führen, dass das eigene Profil an Klarheit verliert. Wer vieles kann und vieles gemacht hat, läuft schnell Gefahr, für zu vieles zu stehen.

Im Executive Search ist genau diese Klarheit entscheidend. Wir müssen unseren Klienten sehr präzise vermitteln können, warum eine bestimmte Persönlichkeit gerade für ihre Situation relevant ist. Dabei geht es nicht darum, den Lebenslauf möglichst breit darzustellen, sondern die eigene Erfahrung auf den Punkt zu bringen:

  • Wofür stehe ich als Führungskraft? 
  • Welche Herausforderungen habe ich erfolgreich gemeistert? 
  • In welchen Situationen kann ich einen besonderen Beitrag leisten?

Je klarer eine Führungskraft diese Fragen für sich beantworten kann, desto leichter können auch wir die Verbindung zu einem passenden Mandat herstellen.

Oder, mit einem kleinen niederländischen Touch: „Weet waar je voor staat.“ Das heißt: „Wissen Sie, wofür Sie stehen.“ Man muss nicht für alles passen. Entscheidend ist, dass die richtigen Menschen verstehen, wofür man besonders gut passt.

Katja de Jong, herzlichen Dank für die wertvollen Impulse!

© Titelfoto: AdobeStock – InfiniteFlow

Ansprache mit einem klaren Profil

Der Zugang zum Executive-Markt entsteht durch ein klares Profil, relevante Beziehungen und eine überzeugende Einordnung der eigenen Erfahrung. Wenn Sie Ihren nächsten beruflichen Schritt gezielt gehen möchten, sprechen Sie mit uns.
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Der richtige Kontakt

Gerade bei Top-Führungspositionen werden Suchprozesse häufig über Executive-Search-Beratungen geführt. Die Ansprache von Personalberatern im richtigen Kontext zur passenden Zeit Personalberater sind für viele Führungskräfte jedoch entscheidend. Was es zu beachten gilt:

Personalberater und Executives

Verdeckter Executive-Markt

Immer häufiger entstehen in Unternehmen nach Restrukturierungsphasen neue Führungspositionen mit veränderten Anforderungen. Viele werden erst öffentlich sichtbar, wenn die Weichen längst gestellt und Entscheidungen getroffen sind. Daher müssen sich Führungskräfte deutlich früher platzieren.

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