Positionierung in Social Media
Lesedauer: 6 Minuten | Kategorie: Leadership & Coaching | Thema: Positionierung in Social Media für Führungskräfte
Viele Führungskräfte streben auf LinkedIn nach großer Reichweite für mehr Sichtbarkeit. Dabei vernachlässigen Sie häufig ihre präzise Positionierung. Denn entscheidend für eine nachhaltigere Wirkung ist vor allem ihre Authentizität. Das bedeutet nicht, alles zu kommentieren und zu teilen, sondern das Richtige und konsequent. Deshalb sollten Führungskräfte an ihrer Stimmigkeit arbeiten. Worauf es bei der Positionierung in Social Media und der Darstellung des Profils ankommt, ist auch Teil der Beratung bei The Boardroom.
Autorin: Klarissa Peters
Klarissa Peters ist Executive Career Consultant und Social Media Expertin bei The Boardroom.
Wie gelingt Führungskräften eine authentische Positionierung in Social Media?
Klassische Visitenkarten wurden zunehmend von LinkedIn Profilen & Co. abgelöst. Doch in der heutigen digital vernetzten Welt reicht es nicht, einmal einen einfachen Online-Lebenslauf zu erstellen. Längst geht es darum, sich als Top-Führungskraft in den digitalen Medien auch glaubwürdig und überzeugend zu präsentieren. Dabei stehen viele vor der Herausforderung, die eigene Reputation strategisch zu gestalten und zu pflegen.
Doch geht es weder um übertriebene Selbstinszenierung noch um bloßes Sammeln von Followern. Schließlich sollten Personal Branding und gutes Business Storytelling im Vordergrund stehen. Die zentralen Fragen lauten:
- Wie schafft man es im Topmanagement, authentisch zu sein und einen gelungenen Social Media Auftritt zu erzeugen, ohne dass es zur peinlichen Selbstvermarktung wird?
- Warum sollten Führungskräfte dabei als Marke auftreten und welche Fehler sollte man vermeiden?
- Auf welche Aspekte und No-Gos's sollten Sie als Führungskraft im Topmanagement achten?
Antworten darauf gibt Klarissa Peters in unserem Interview.
Was verstehen Sie unter Authentizität in Social Media und warum ist dies im Topmanagement wichtig?
Klarissa Peters: Authentizität in Social Media bedeutet für mich ‘Stimmigkeit’. Denn wer auf unterschiedlichen Plattformen – wie im normalen Alltag – kein zusammenhängendes, stimmiges Bild von sich präsentiert, wirkt nicht authentisch. Dazu gehört auch, seine Stimme in den sozialen Medien so einzusetzen, dass mit relevanten Inhalten Resonanz erzeugt wird. Hierbei sollte man auf keinen Fall Belanglosigkeiten kommentieren oder inhaltsleere Dinge verbreiten. Dies beschädigt die eigene Reputation mehr, als dass es zu einer positiven authentischen Positionierung im Topmanagement führt.
Mit erfolgreicher Authentizität können Top-Führungskräfte Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Sympathie bei ihrer Zielgruppe aufbauen. Genauso wichtig ist es aber auch für die eigene Sichtbarkeit und berufliche Positionierung. Sei es, ob man seinen Job als Führungskraft wechseln oder ein Mandat im Aufsichtsrat oder Beirat erlangen möchte. Oder man sich auch mit weiteren Experten austauschen und neue Ideen bzw. Perspektiven gewinnen möchte.
Wie können sich Top-Führungskräfte erfolgreich in den sozialen Medien positionieren?
Klarissa Peters: Zunächst einmal sollten Führungskräfte grundlegende Fragen für sich beantworten, um sich authentisch positionieren zu können. Dazu zählen folgende fünf Fragen:
- Wer sind Sie und was bieten Sie?
- Welche Ziele verfolgen Sie? (Möchte man zum Beispiel eine neue Position besetzen, seine Bekanntheit steigern, sein Netzwerk erweitern oder neue Kunden bzw. Partner gewinnen. Oder präsentiert man sich als Arbeitgeber und sucht neue Mitarbeiter für sein Team.)
- Was zeichnet Sie als Führungskraft aus und wie unterscheiden Sie sich von anderen?
- Welche Position im Unternehmen streben Sie an?
- Wen wollen Sie damit genau erreichen?
Sofern man klare Antworten definiert hat, können auch relevante Inhalte festgelegt werden, zu denen man sich positionieren und sichtbar werden möchte. Dann stellen sich weitere Fragen wie:
- Über welche konkreten Themen positioniert man sich am besten?
- Welche Beiträge möchte man selbst schreiben und welche teilen oder kommentieren?
- Mit wem möchte man direkt schreiben und sich vernetzen?
Um ein authentisches Bild von sich zu erzeugen, sollte nichts zufällig geschehen, sondern auf strategischen Überlegungen basieren.
Social Media ist ein Werkzeug zur Positionierung und zum Networking und sollte auch entsprechend professionell gehandhabt werden.
Welche Tipps würden Sie Führungskräften für ihre authentische Positionierung?
Klarissa Peters: Top-Führungskräfte sollten in den sozialen Medien nicht nur zeigen, dass sie eine Menge Fachwissen und Erfahrung haben. Es kommt darauf an, dass sie auch eine Vision und ihre Werte mit ihrer Zielgruppe teilen. Wir empfehlen unseren Klienten, ihre eigene Persönlichkeit und individuelle Haltung einzubringen, um sich von anderen Führungskräfte auf Topmanagement-Ebene abzuheben. Dabei hilft es, wenn man sich als eigene Marke sieht, die man in den sozialen Medien aufbaut und pflegt. Doch geht es nicht darum, sich zu inszenieren, sondern sich selbst treu zu bleiben und authentisch zu sein. Dies gelingt mit relevanten Inhalten, die einen Mehrwert für andere bieten und eine Geschichte erzählen.
Klienten in beruflicher Neuorientierung raten wir, neben einem gepflegten und aussagekräftigen Profil, zusätzlich das „Keyword-Prinzip“ anzuwenden. Das heißt, relevante Erfahrungen, Stationen oder Themen wie bei der Suchmaschinenoptimierung zu definieren und hervorzuheben. Zudem ist es hierbei besonders wichtig, die richtigen Ansprechpartner für sein Netzwerk zu identifizieren und aktiven Kontaktaufbau und -pflege zu betreiben.
Wie unterstützt The Boardroom seine Klienten bei ihrer authentischen Positionierung?
Klarissa Peters: Zunächst unterstützen wir unsere Klienten dabei, sich ihrer eigenen Stärken, Werte und Ziele bewusst zu machen. Diese sollten sie im Rahmen ihrer beruflichen Neuorientierung im Topmanagement klar zu kommunizieren. Dann erarbeiten wir ein authentisches und überzeugendes LinkedIn Profil, mit dem sie sich für eine neue Position oder ein Mandat sichtbar machen können. Schließlich ist diese Profilschärfung ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche und authentische Positionierung. Am besten geht dies in der Beratung mit einem Sparringspartner. Denn dieser gleicht mit einem neutralen Blick von außen, auch das Fremdbild mit dem Selbstbild und prüft seine Stimmigkeit.
Viele Klienten schätzen diese Unterstützung sehr. Denn vielen Führungskräften ist oft nicht klar, wie viele Chancen eine gute Positionierung in Social Media bietet. Hier agieren sie eher zurückhaltend. Deshalb rate ich ihnen meist: „Trauen Sie sich einfach!“
Welche Herausforderungen oder No-Go’s gibt es zu beachten?
Klarissa Peters: Die Herausforderungen für Führungskräfte auf Social Media sehe ich vor allem in der Schnelligkeit der Beiträge. Aber auch die Komplexität und Unsicherheit mit digitalen Medien sind nicht zu unterschätzen. Zudem sollte man darauf achten, eine Balance zwischen seiner beruflichen Rolle als Führungskraft und seiner privaten Persönlichkeit zu halten. Das bedeutet, nicht zu viel oder zu wenig von sich preiszugeben. Um authentisch zu wirken, gehört auch mal das Teilen von Fehlern oder Hobbys, aber ohne seine Professionalität oder die eigene Privatsphäre zu gefährden.
No-Go’s sind beispielsweise übermäßiges Posten von (Eigen-)Werbung oder irrelevanten wie unprofessionellen Inhalten und Kommentaren. Das Missachten geistigen Eigentums Dritter sollte auf keinen Fall passieren. Auch Ignorieren oder Löschen von negativem Feedback sollte man in Social Media vermeiden (außer die Kommentare sind wirklich beleidigend oder spamhaft). Um sein Personal Branding Profil und seine Positionierung zu bewahren, ist es am besten sachlich, konstruktiv und mit einer höflichen Antwort zu reagieren. Letztendlich sollte man immer das Vertrauen und die Anerkennung der eigenen Zielgruppe gewinnen und sich authentisch von der Konkurrenz abheben.
Vielen Dank für das informative Interview, Frau Peters.
© Titelfoto: AdobeStock – weyo / Portraitfoto mit Zitat: The Boardroom
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