Storytelling für Führungskräfte

Lesedauer: 6 Minuten | Kategorie: Leadership & Coaching | Thema: Storytelling für Führungskräfte

The Boardroom begleitet Führungskräfte nicht nur mit Insights zu Kommunikationsthemen wie Storytelling, sondern unterstützt Sie auch mit Executive Karriereberatung, einschließlich Positionierung, Personal Branding und Wirkung im Topmanagement.

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Ein Beitrag von Albrecht Prinz von Croÿ.

Er ist Unternehmensberater beim Unternehmerverbund conlab sowie Journalist und Verleger. Albrecht v. Croÿ lehrt zudem als Privatdozent politische Kommunikation und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule Fresenius in Köln und Düsseldorf.


Wie Sie durch persönliche Geschichten in Erinnerung bleiben

Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält“, glaubte der Schweizer Schriftsteller Max Frisch, lebte danach und wohl auch davon. Dabei wird Storytelling oft als etwas Abstraktes verstanden, obwohl es tief in unserer Wahrnehmung verankert ist. Während dieses Bonmot „Storytelling für Führungskräfte“ auch als Kunst des aktiven Wolkenkuckucksheims definiert wird, so kennt der französische Philosoph Jean-Paul Sartre durchaus auch den passiven Effekt: „Wir verstehen alles im menschlichen Leben durch Geschichten“. Zusammengefasst: Ob aktiv oder passiv – Geschichten bestimmen, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen.

Wer hat recht? Beide! Jeder ist seiner Geschichte Schmied, Lebensgeschichten sind Konstruktionen. Als Storyteller haben wir die Macht, das Skript unseres Lebens, unserer Beziehung und Freundschaften, unserer Familie oder unserer Firma im besten Sinne zu beeinflussen. Denn: Ich schreibe meine eigene Geschichte immer wieder neu, mit Blick in die Zukunft und mit Blick in die Vergangenheit.

Das Ziel? Wonach auch immer wir streben: Glück, Erfolg, Leistung, Wissen, Abenteuer. So viel zu Max Frisch.

Bedeutung von Storytelling im Führungsalltag

Und wir werden durch Geschichten begriffen, wir bekommen durch sie Gestalt und Format. Dadurch sehen uns andere mit den Augen, mit denen wir gesehen werden wollen. Gleichzeitig erklärt Jean-Paul Sartre: Wir werden von unserem Umfeld „verstanden“.

Die Kunst, Geschichten strategisch einzusetzen, hat keine große Historie. Deshalb ist sie noch immer nicht so populär. Viele, gerade in der Ökonomie, haben Vorbehalte: „es geht doch um Fakten, nicht um Storys!“ Doch Fakten sind selbst Geschichten. Wir haben uns verändert, unsere Aufnahmefähigkeits-Filter sind andere geworden. Unsere Gehirne haben sich im Laufe der Evolution darauf ausgerichtet, Storys zu erzählen, zu verstehen und zu behalten. Sie wollen mehr als früher Bilder serviert bekommen, die sich im Kopf zu einer Geschichte zusammensetzen. Da mag die veränderte Medienwelt zu einem großen Teil schuld daran sein. Unsere Gehirne sind nicht mehr auf glasklare Business-Logik ausgerichtet und schon gar nicht auf Power Point Charts. Diese listen ausschließlich Fakten auf und machen viele Hauptversammlungen und Präsentationen schon deswegen zur Qual.

Wirkung auf Wahrnehmung & Erinnerung

Storys werden besser erinnert. In einigen Experimenten an der Stanford-Universität hatten Studenten nur eine Minute Zeit, um eine Idee zu pitchen. Die meisten nutzten Fakten und Aufzählungen, nur wenige erzählten Geschichten. Und die Storys aber blieben 22-mal besser in Erinnerung. „Menschen folgen keinen wissenschaftlichen Fakten, sondern einem Narrativ, einer Geschichte“, erklärt diesen Umstand der Neurowissenschaftler Henning Beck. Nicht das „wissenschaftliche Faktum“ verändere die Stimmung der Menschen, sondern das, „was es mit ihnen machen kann, wovor sie Angst haben, worauf sie sich freuen”.

Sechs goldene Regeln für Storytelling, die Führungskräfte wissen sollten

Was heißt das für Individuen, die im Wettbewerb stehen? Die, die der genauen Lupe des Vergleichs unterworfen sind? Die Menschen führen, die Unternehmen lenken. Dabei gilt: „Ihre persönliche Marke ist das, was die Leute über Sie sagen, wenn Sie nicht im Zimmer sind“, sagt einer, der es wissen muss: Jeff Bezos. Daher war der Gründer des Onlineversandhändlers Amazon sich der Notwendigkeit und zugleich auch der Chance bewusst, seine Reputation durch seine Geschichte aktiv zu steuern. Und er kennt den Grundsatz dafür: es gibt keine „Falschnehmung“, es gibt unterschiedliche „Wahrnehmung“. Geschichten können nicht objektiv sein, sie werden nie nur in einer Weise wahrgenommen.


Viele Führungskräfte unterschätzen, wie stark ihre persönliche Geschichte Wahrnehmung und Vertrauen prägt. Eine bewusste Auseinandersetzung hilft, das eigene Narrativ klarer zu verstehen und konsistenter zu vermitteln.

Storytelling mit Sparringspartner bewusst einordnen


Und entgegen denjenigen, die Storytelling für „neumodischen Kram“ halten, beurteilen die meisten potentiellen Arbeitnehmer Firmen inzwischen nach ihrer guten Story. Der Historiker Yuval Noah Harari meint folgerichtig: „Die größten Geschichtenerzähler der Welt sind nicht die, die den Nobelpreis für Literatur gewinnen, sondern die Leute, die große Unternehmen betreiben.“

So werden diejenigen den Gesetzen einer guten Geschichte folgen, die sechs goldene Regeln verinnerlichen.

6 Regeln für Storytelling und persönliche Marke

  1. Denken Sie in Bildern. Machen Sie sich klar, was die Adressaten am Ende Ihrer Geschichte vor Augen haben sollen, welches Bild sich ihnen einprägen soll.
  2. Entwickeln Sie Ihre Story vom Ziel her. Gehen Sie aus von dem Verhalten, zu dem Sie Ihre Zielgruppe bewegen wollen, und klären Sie, welche Vorstellungen dafür zu vermitteln, welche Gefühle zu erzeugen sind.
  3. Wecken Sie Interesse. Finden Sie einen Aufhänger, mit dem Sie es schaffen, dass Leser, Zuhörer oder Betrachter sich Ihrer Geschichte zuwenden – und nicht einer der Millionen anderen, die auch um Aufmerksamkeit heischen.
  4. Halten Sie die Balance zwischen Überraschung und Bestätigung. Fesseln Sie durch eine Dramaturgie, die einerseits neue Impulse gibt, andererseits aber auch an bestehende Erfahrungen und Überzeugungen anschließt.
  5. Wecken Sie Vertrauen, indem Sie etwas von sich preisgeben. Wer immer auf Anhieb alles richtig macht, wirkt weder sympathisch noch glaubwürdig. Bauen Sie Hindernisse oder sogar Rückschläge ein, die auf dem Weg zum Ziel zu überwinden waren.
  6. Füllen Sie Ihren Geschichten-Speicher. Beginnen Sie mit dem Erzählen erst dann, wenn Sie einen ausreichenden Vorrat an Geschichten angelegt haben, um Ihr Zielbild so oft mit neuen Aspekten untermauern zu können, bis es im Bewusstsein Ihrer Stakeholder verankert ist.

Fazit: Storytelling für Führungskräfte ist ein effizientes kommunikatives Instrument

Storytelling, strategisch eingesetzt, steigert unseren persönlichen Wirkungsgrad. Darüber hinaus liefert es Mittel zur Verfügung, um andere erfolgreich zu erreichen und zu bewegen. Beispielsweise in in Reden und Präsentationen, in Mails oder Statements. Denn unser Fachwissen allein wird dafür nicht (mehr) reichen. Stattdessen geht es darum, es erfolgreich zu vermitteln. Jeder Manager, jede Führungspersönlichkeit muss ein Gefühl dafür entwickeln, wie mächtig Storytelling als kommunikatives Instrument ist und wie effizient und nachhaltig dies wirken kann.

Storytelling und Wirkung mit Unterstützung von The Boardroom

Viele Führungspersönlichkeiten nutzen den Austausch mit erfahrenen Sparringspartnern, um ihre Kommunikation, Wirkung und Positionierung bewusster einzuordnen. Gerade im Topmanagement kann eine externe Perspektive helfen, das eigene Narrativ klarer zu schärfen und konsistent zu vermitteln.

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