Leadership 2030: Mutig führen, Haltung zeigen, Zukunft prägen

Lesedauer: 6 Minuten | Kategorie: Leadership & Coaching | Thema: Leadership 2030

Zukunft von Wirtschaft und Führung: Worauf es jetzt ankommt

Der Deutsche Führungskräftetag 2026 steht unter dem Leitmotto „Mutig führen – Haltung zeigen – Zukunft prägen“. Im Zentrum steht nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland und Europa, sondern auch die Frage, wie Führungskräfte in einer dynamischen Arbeitswelt wirksam bleiben.

Während die ULA die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und Standortfaktoren analysiert, fokussiert The Boardroom die individuelle Wirksamkeit, Positionierung und strategische Zukunftsgestaltung im Management. Denn Leadership 2030 entsteht im Zusammenspiel von strukturellen Voraussetzungen und persönlicher Führungsidentität. Daher steht für viele Führungskräfte die Frage im Mittelpunkt:

Wie bleibt meine Positionierung im Topmanagement in Zeiten der Transformation sichtbar, glaubwürdig und wirksam?


Experteninterview zum Deutschen Führungskräftetag 2026

Dr. Christoph Gürtler
ist promovierter Chemiker und Mitglied des Aufsichtsrats der Covestro Deutschland AG, sowie Vorsitzender des Konzernsprecherausschusses von Covestro. Er ist Vizepräsident des Deutschen Führungskräfteverbands ULA sowie Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des Verbands VAA – Fach- und Führungskräfte Chemie.

Claus Verfürth
ist Geschäftsführer und Partner von The Boardroom.
Dank seiner langjährigen Erfahrung in der Karriereberatung und im Coaching von Top-Führungskräften verfügt er über ein tiefes Verständnis von Anforderungen und Entscheidungsprozessen auf Managementebene.


Wirtschaft und Führung: Rahmenbedingungen für Leadership 2030

1. Dr. Gürtler, was bedeutet das Leitmotiv „Mutig führen – Haltung zeigen – Zukunft prägen“ für Führungskräfte mit Blick auf den Wirtschaftsstandort Deutschland?

Gürtler: Das Leitmotto bringt die aktuelle Verantwortung von Führungskräften sehr treffend auf den Punkt. Führungskräfte müssen unter Bedingungen entscheiden, die häufig weder stabil noch verlässlich sind. Gleichzeitig steigt der Druck, Transformationen umzusetzen, etwa in Richtung Digitalisierung, Dekarbonisierung oder neue Geschäftsmodelle.

„Mutig führen“ bedeutet in diesem Kontext, dass Führungskräfte Investitionsentscheidungen auch dann treffen, wenn politische oder regulatorische Rahmenbedingungen noch nicht vollständig klar sind. Oft werden diese Entscheidungen verschoben, denn fehlende Planbarkeit ist oft ein guter Grund kein Risiko eingehen zu müssen.

„Haltung zeigen“ heißt in diesem Zusammenhang, diese Unsicherheiten und Risiken klar zu adressieren. Führungskräfte müssen gegenüber Politik und Öffentlichkeit transparent machen, wo strukturelle Hindernisse bestehen. Das ist ihre Aufgabe, übrigens auch in die Unternehmen und Teams hinein. Denn nur, wenn sie dort die Menschen mitnehmen und das Ziel klar ist, kann die Transformation gelingen. Veränderungen überstülpen funktioniert nicht mehr.

Und „Zukunft prägen“ bedeutet aktiv werden. Dabei sind Führungskräfte besonders gefragt. Wenn Führungskräfte handeln, dann kommen Unternehmen automatisch aus dem reaktiven Modus heraus. Dafür brauchen sie Freiräume, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Arbeitgeber bei Energie- und Infrastrukturthemen.

Wirksamkeit und Positionierung: Führung im TopManagement

2. Herr Verfürth, das Motto fordert Executives auf allen Ebenen heraus. Wie wird es in der Praxis wirksam, gerade in beruflichen Übergangsphasen?

Verfürth: Berufliche Übergangsphasen sind die Momente, in denen sich zeigt, ob Mut und Haltung tatsächlich tragen. Mutige Führung bedeutet, Verantwortung bewusst zu übernehmen und Entscheidungen auch unter Unsicherheit zu vertreten. Wer mutig handelt, wird als Gestalter wahrgenommen, nicht nur als Umsetzer. Das macht Führungskräfte sichtbar und wirkt sich unmittelbar auf zukünftige Rollen in der Führung aus.

Haltung wird zum Erfolgsfaktor, wenn sie Orientierung bietet:

  • Wie entscheide ich?
  • Wofür stehe ich?
  • Welche Erwartungen dürfen andere an mich haben? 

Führungskräfte, die diese Klarheit zeigen, erzeugen Vertrauen und erhöhen ihre Wirksamkeit. Dies gilt sowohl im Unternehmen als auch im Markt.

Zukunft prägen heißt schließlich, eine Rolle nicht nur anzunehmen, sondern aktiv zu gestalten. Dabei unterstützen wir mit The Boardroom: Wir schärfen Positionierungen von Führungskräften so, dass sie auch in komplexen Transformationsphasen tragfähig bleiben.

Wirtschaftspolitische Erwartungen und Wettbewerbsfähigkeit

3. Dr. Gürtler, welche konkreten Erwartungen haben Führungskräfte an die Politik, um Deutschland und Europa wettbewerbsfähig zu halten?

Gürtler: Die Erwartungen lassen sich auf drei zentrale Punkte reduzieren:

  1. Geschwindigkeit: Planungs- und Genehmigungsprozesse – ob in Industrie, Infrastruktur oder Digitalisierung – dauern in Deutschland oft deutlich länger als in anderen Ländern. Das verzögert Investitionen und führt teilweise dazu, dass Projekte verlagert werden.
  2. Verlässlichkeit: Insbesondere bei Energiepreisen, Regulierung und steuerlichen Rahmenbedingungen müssen Unternehmen über mehrere Jahre hinweg planen können. Kurzfristige politische Eskapaden wie die Novelle des Heizungsgesetzes wirken hier direkt investitionshemmend, weil sich die Rahmenbedingungen zu schnell ändern.
  3. Vertrauen: Es braucht klare Prioritäten, gesetzt durch die Regierung. Was es nicht braucht: Regulatorische Einzelmaßnahmen, die Entscheidungen der Führungskräfte unnötig einschränken. Unternehmen und ihre Führungskräfte wissen, welche Entscheidung die beste ist und handeln konsequent danach. Dafür müssen wir das Vertrauen bekommen, die zentralen Hebel selbst zu bedienen. Politische Unterstützung in Bereichen wie Digitalisierung der Verwaltung, Fachkräftesicherung und Innovationsförderung sind natürlich hilfreich und wichtig.

Karriere und Transformation: Mut als Karrierefaktor für Leadership 2030

4. Herr Verfürth, woran erkennen Sie mutige Führung und wie beeinflusst sie künftig Karriereoptionen für Führungskräfte?

Verfürth: Mut zeigt sich, wenn Führungskräfte Entscheidungen vertreten, obwohl vollständige Sicherheit fehlt. Das gilt besonders in Karrierefragen: Viele unserer Klienten wagen nach vielen Jahren im selben Unternehmen oder derselben Branche den Wechsel. Dieser Schritt verlangt Mut, Klarheit und Selbstreflexion.

Die zentralen Fragen lauten dann:

  • Wohin will ich?
  • Welche Rollen passen zu mir?
  • Welche Wirkung will ich erzielen?

Wer diese Fragen aktiv beantwortet und bewusst Entscheidungen trifft, wird als Gestalter wahrgenommen.

Das bedeutet aber auch: Raus aus der Komfortzone und eine bewusste Entscheidung für Veränderungen treffen. Und das, ohne vorher ganz genau zu wissen: Wohin soll nun die Reise gehen und was benötigt man dafür?


Exklusives Angebot

Werden Sie Teil des Dialogs zwischen Wirtschaft, Politik und Führung.

Der Deutsche Führungskräfteverband ULA feiert in diesem Jahr auch sein 75-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wird im Anschluss an den Deutschen Führungskräftetag in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit Ihnen feiern. Der Abend bietet Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken in entspannter Atmosphäre.

Profitieren Sie bei Ihrer Anmeldung von vergünstigten Konditionen über The Boardroom (999 statt 1249 Euro).

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Bedeutung des Führungskräftetags

5. Dr. Gürtler, welche Rolle spielt der Deutsche Führungskräftetag 2026 im Dialog zwischen Wirtschaft und Politik?

Gürtler: Der Führungskräftetag ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die Perspektive von Führungskräften direkt in den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern eingebracht werden kann.

Das Besondere ist die Praxisnähe: Hier werden nicht abstrakte Konzepte diskutiert, sondern konkrete Erfahrungen aus Unternehmen. Zum Beispiel zu Transformationsprojekten, Standortentscheidungen oder regulatorischen Hürden.

Gerade jetzt kann der Führungskräftetag dazu beitragen, Prioritäten klarer zu definieren und den Austausch stärker auf umsetzbare Lösungen auszurichten.

Haltung und Sichtbarkeit: Der unterschätzte Karrierehebel

6. Herr Verfürth, wie können Führungskräfte ihre Haltung so sichtbar machen, dass sie ihre Wirksamkeit und Karriere stärkt?

Verfürth: Haltung wirkt nur, wenn sie sichtbar, konsistent und nachvollziehbar ist. Das gelingt durch drei Elemente:

  • Klarheit: eine erkennbare Entscheidungslogik
  • Konsequenz: Stabilität auch unter Druck
  • Kommunikation: Orientierung geben, bevor Unsicherheit entsteht

Haltung ist kein „Soft Skill“, sondern ein Differenzierungsmerkmal für Rollen im Topmanagement. Sie entscheidet darüber, wem man zutraut, Organisationen durch Unsicherheit zu führen.

In unseren Executive‑Sparrings zeigt sich, welche Führungskräfte herausragen: Meist sind es nicht die, die am meisten leisten, sondern die Klarheit erzeugen, wo andere Unsicherheit spüren. Diese Klarheit entsteht jedoch selten allein. Hier bringt ein gezielter Austausch auf Augenhöhe mit einer Person des Vertrauens die Schärfe, Positionierung, Wirkung und Entscheidungen in Einklang.

Wirtschaft und Politik: Warum Dialog unverzichtbar ist

7. Dr. Gürtler: Warum ist der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik aktuell so entscheidend?

Gürtler: Weil viele zentrale Fragen nur gemeinsam gelöst werden können. Unternehmen und Führungskräfte stoßen aktuell an Grenzen, die sie allein nicht überwinden können. Dieser Dialog überwindet Grenzen und hilft, Lösungen zu entwickeln, die in der Praxis wirken und gleichzeitig demokratische Akzeptanz haben.

Zukunft und Karriere: Ein Rat für Leadership 2030

8. Herr Verfürth, welchen Rat geben Sie Führungskräften, die sich für Leadership 2030 positionieren wollen?

Verfürth: Der wichtigste Schritt ist eine konsequente Standortbestimmung, wie wir Sie auch zu Beginn unserer Karriereberatung bei The Boardroom machen:

  • Wo stehe ich?
  • Welche Wirkung erzeuge ich?
  • Welche Rollen passen zu meiner Führungsidentität?

Der häufigste blinde Fleck: Viele Führungskräfte sind intern stark, aber extern unscharf positioniert. Erwartungsanpassung, Entscheidungszögern und fehlende Differenzierung gegenüber Peers sind typische Muster. Wer seine Positionierung frühzeitig schärft, bleibt gestaltend und nicht getrieben.

Daher lautet unser zentraler Rat: Gestalten Sie Ihre berufliche Zukunft genauso bewusst wie die Zukunft Ihrer Organisation.

Leadership 2030 verlangt die Fähigkeit, mutig zu entscheiden, Haltung sichtbar zu zeigen und gleichzeitig strategisch anschlussfähig für zukünftige Karriereoptionen zu bleiben.

Fazit: Was Leadership 2030 ausmacht

Dieses Doppelinterview zeigt: Führung im Topmanagement entsteht heute im Spannungsfeld zwischen externen Rahmenbedingungen und persönlicher Wirksamkeit. Mut, Haltung und Zukunftsgestaltung sind keine abstrakten Leitmotive, sondern die Kriterien, nach denen Führungskräfte bewertet und für neue Rollen ausgewählt werden.

Gerade in Transformationsphasen und beruflichen Übergängen entscheidet sich, wer sichtbar Wirkung entfaltet und wer im Markt als relevante Führungspersönlichkeit wahrgenommen wird.


The Boardroom ist langjähriger Kooperationspartner des Deutschen Führungskräftetags. Partner und Klienten von The Boardroom profitieren von den vergünstigten Konditionen für ULA-Mitglieder. Anmeldung und Programm finden Sie unter: www.dfkt.info
Wir freuen uns, vor Ort mit Ihnen persönlich ins Gespräch zu kommen.

© Adobe Stock: Photocreo Bednarek | Portrait Dr. Gürtler: Silke Steinraths


Zukunft braucht klare Führung. Führung braucht wirksamen Austausch.

Kündigungswelle von Führungskräften

Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Kündigungen von Führungskräften auf einen Höhepunkt. Ohne ausgeprägtes Netzwerk wird es somit immer schwieriger, eine adäquate Position im Topmanagement zu finden. Im Podcast gibt Claus Verfürth konkrete Ratschläge, wie Führungskräfte frühzeitig agieren sollten.

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Jobwechsel in der Wirtschaftskrise

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